Das Wichtigste in Kürze
- Warm bleiben: mehrere dünne Schichten, warme Hände und Füße, Kopf geschützt
- Gesehen werden: Leuchtstreifen am Kind, Licht und Reflektoren am Rad, nicht allein auf die Beleuchtung am Rad verlassen
- Rad fit machen: in zehn Minuten gemeinsam mit dem Kind durchchecken
- Selbst fahren oder mitfahren: beides geht im Herbst, mit unterschiedlichen Schwerpunkten
Wie kalt wird es auf dem Rad wirklich? Das steckt hinter dem Begriff Windchill
Die Temperatur im Wetterbericht und die Temperatur, die wir auf der Haut spüren, sind nicht dasselbe. Den Unterschied nennt man Windchill, auf Deutsch auch gefühlte Temperatur oder Windkälte. Das Wort setzt sich aus „Wind" und „Chill" (Kühle) zusammen.
So funktioniert es: Direkt an unserer Haut liegt eine dünne Schicht warmer Luft. Bei Wind wird diese warme Luft ständig weggeblasen, und kalte Luft strömt nach. Die Haut kühlt dadurch schneller aus, als es ohne Wind der Fall wäre. Je stärker der Wind, desto größer ist dieser Effekt. Beim Radfahren zählt auch der Fahrtwind, sodass es sich selbst an einem windstillen Tag kälter anfühlen kann, als das Thermometer anzeigt.
Zur Orientierung haben wir die gefühlte Temperatur für eine ruhige Fahrt mit rund 15 km/h nach der gängigen Windchill-Formel berechnet:
| Lufttemperatur | Gefühlte Temperatur bei 15 km/h (ca.) |
|---|---|
| 10 °C | 8 °C |
| 5 °C | 2 °C |
| 0 °C | -4 °C |
| -5 °C | -11 °C |
Die Windchill-Temperatur ist nur für Werte bis etwa 10 °C definiert, deshalb beginnt die Tabelle dort. Die Werte sind ein grober Richtwert für ungeschützte Haut, die tatsächliche Wirkung hängt stark von der Kleidung ab.
Side Fact: Streng genommen ist Windchill gar keine Temperatur, sondern ein Maß dafür, wie schnell der Körper Wärme verliert. Dass man trotzdem von „gefühlter Temperatur" spricht, dient nur dem besseren Verständnis. Der Effekt ist dabei keine Einbildung: Wind trägt die Wärme an der Hautoberfläche tatsächlich fort.
Warm bleiben: Zwiebelprinzip, Hände, Füße und Kopf
Das Zwiebelprinzip, auch Schichtsystem genannt, gilt als bewährter Weg durch die kühle Jahreszeit. Mehrere dünne Schichten lassen sich flexibel an Wetter und Temperatur anpassen.
- Basisschicht: atmungsaktiv und direkt auf der Haut, sie leitet Schweiß ab, zum Beispiel aus Merinowolle oder Funktionsmaterial
- Mittelschicht: hält die Körperwärme
- Wetterschutz: eine Jacke, die Wind und Wasser abhält
Schwitzen sollte möglichst vermieden werden, weil der abkühlende Schweiß den Körper auskühlen kann.
Hände und Füße zuerst. Sinken die Temperaturen, werden die Extremitäten als Erstes kalt. Warme Handschuhe und warme, trockene Füße gehören deshalb zur Grundausstattung.
Kopf. Unter dem Helm kann eine dünne Mütze oder Sturmhaube aus Funktionsmaterial helfen. Achte darauf, dass der Helm danach richtig sitzt, und beachte die Hinweise des Helmherstellers.
Tipp: Besonders gut geeignet sind hierfür die sogenannten Baklava Mützen für Kinder.
Gesehen werden: drei Ebenen für den Herbst
Gerade im Herbst gilt: Wer nicht gesehen wird, ist nicht sicher. Am besten sorgt ihr auf drei Ebenen für Sichtbarkeit.
1. Am Kind. Leuchtstreifen am Schulranzen, an den Schuhen oder an den Jackenärmeln helfen Autofahrern, das Kind rechtzeitig zu erkennen. Verlasst euch nicht allein auf die Leuchten am Rad. Dunkle Kleidung ohne reflektierende Elemente ist im Straßenverkehr nur schwer zu erkennen. Eine Warnweste ist eine Möglichkeit, bietet aber keinen Schutz vor Nässe und Kälte und fällt oft zu groß aus. Jacken mit eingearbeiteten Reflektoren sind eine Alternative.
2. Am Rad. Zur klassischen Ausstattung gehören ein weißer Reflektor vorne, ein roter Großflächenstrahler hinten sowie gelbe oder orangefarbene Reflektoren an Speichen und Pedalen. Speichenreflektoren sorgen dafür, dass das Kind auch von der Seite schnell erkannt wird. Wusstest du, dass Reifen mit Reflexionsstreifen die Speichenreflektoren ersetzen können? Zusätzlich lassen sich Wimpel in hellen, grellen Farben am Rad anbringen, sie machen Kinder im herbstlichen Verkehr schneller sichtbar.
3. Das Licht richtig einstellen. Wenn das Rad eine Frontleuchte hat, lohnt sich ein kurzer Test: Rad fünf Meter frontal vor eine Wand stellen, die Höhe der Lampe an der Wand markieren und das Licht einschalten. Die Oberkante des Lichtkegels sollte unter der Markierung liegen, damit der Gegenverkehr nicht geblendet wird.
Teil 1: Wenn dein Kind schon selbst fährt
Mit dem Kindergartenalter oder den ersten Schuljahren fahren viele Kinder kurze Alltagswege selbst. Im Herbst lohnt sich dafür ein genauer Blick auf das Rad.
Das Rad muss passen. Das Kind sollte im Sattel sitzend mit beiden Füßen sicher den Boden erreichen. Sattel und Lenker sollten auf das Kind abgestimmt sein und mit dem Wachstum regelmäßig nachjustiert werden. Welche Größe zu deinem Kind passt, erklären wir in unserem Ratgeber zur Kinderfahrrad-Größe.
Leicht ist besser. Ein schweres Fahrrad ist für Kinder schwer zu steuern. Als Faustregel sollte das Rad höchstens 40 % des Körpergewichts wiegen, besser deutlich weniger. Bei StrollMe findest du zum Beispiel das Woom GO 3, das Puky LS Pro 16, das Cube Cubie 160 oder das Academy Bike Grade 3. Für die Kleineren ohne Pedale gibt es Laufräder wie das Puky LR Light.
Passende Kinderfahrräder
Bremsen und Klingel. Kleine Kinderhände haben oft nicht die Kraft, kräftig an einer Handbremse zu ziehen. Für kleinere Kinder haben sich die Rücktrittsbremse und eine Vorderrad-Felgenbremse bewährt, ab etwa 5 bis 6 Jahren beherrschen die meisten Kinder Handbremsen sicher. Eine gut erreichbare Klingel gehört zur Grundausstattung, damit das Kind auf sich aufmerksam machen kann.
Schutzbleche und Seitenständer. Schutzbleche halten Matsch und Spritzwasser ab, im Herbst sind sie deshalb besonders praktisch. Achte beim Fahrrad darauf, was im Lieferumfang enthalten ist. Bei StrollMe werden zum Beispiel die Woom Räder ohne Schutzbleche und Seitenständer geliefert, beides lässt sich aber ganz einfach dazu mieten.
Der Helm. Der Helm schützt den Kopf bei einem Sturz, deshalb sollte er richtig sitzen. Oft nehmen Kinder ihn ab, sobald sie außer Sichtweite der Eltern sind. Erkläre deshalb in Ruhe, warum der Helm so wichtig ist.
Der 10 Minuten Herbstcheck: gemeinsam mit dem Kind
| Check | Was prüfen | Kind-Aufgabe |
|---|---|---|
| Reifen | Luftdruck | Reifen aufpumpen |
| Bremsen | Greifen sie sicher? Sind die Beläge abgenutzt? | Bremshebel testen |
| Licht und Reflektoren | Funktioniert das Licht? Sind alle Reflektoren vorhanden? | Lichtschalter und Reflektoren kontrollieren |
| Kette | Reinigen und ölen, Überschuss mit einem Lappen abwischen | Lappen halten |
| Schrauben | Sitzen sie fest? | Zuschauen und fragen |
| Klingel | Funktioniert sie laut genug? | Probeklingeln |
| Sattel und Lenker | Höhe passt zur Größe des Kindes | Probesitzen |
| Helm | Sitzt er richtig? | Aufsetzen und Riemen prüfen |
Achtung beim Ölen: Schmiermittel dürfen nicht auf die Bremsflächen gelangen und achtet auch darauf, das ihr eure Kleidung nicht damit in Verbindung bringt. Das lässt sich nämlich nicht mehr so einfach entfernen.
Teil 2: Wenn dein Kind mitfährt
Für kürzere Strecken, jüngere Kinder oder Tage mit schlechtem Wetter bleibt der Mitfahrer eine gute Lösung.
Fahrradsitz -> Das Kind muss aufrecht sitzen können. Ein Helm gehört auch im Kindersitz dazu. Bei StrollMe gibt es zum Beispiel den Thule Yepp Maxi 2, den Thule Yepp Mini 2 und den Hamax Caress. Der pahoj ist ein Fahrradkindersitz, der zum Buggy wird, praktisch, wenn der Weg nach der Radfahrt zu Fuß weitergeht.
Fahrradanhänger -> Im Anhänger sitzen Kinder geschützt, während es draußen windig oder nass ist. Achte dabei auf Regenverdeck und Wetterschutz. Beliebte Modelle sind etwa der Croozer KEEKE Einsitzer, der Hamax Outback oder der Thule Chariot Cross 2. Mit warmen Sachen und einer kuscheligen Decke wird es drinnen gemütlich. Hierzu haben wir auch einen passenden Blogbeitrag: Welcher Fahrradanhänger passt zu euch?
Checkliste für den Herbst
Wenn das Kind selbst fährt:
- Beide Füße erreichen den Boden, Sattel und Lenker passen
- Leichtes Rad, kindgerechte Bremsen, Klingel
- Schutzbleche gegen Matsch und Spritzwasser
- Herbstcheck gemeinsam durchführen
Wenn das Kind mitfährt:
- Kind sitzt schon aufrecht, Helm auf
- Bei Wind und Nässe einen Anhänger mit Regenverdeck und Wetterschutz in Betracht ziehen
Für beide Fälle:
- Mehrere dünne Schichten, warme Handschuhe, warme und trockene Füße
- Helm tragen, bei Bedarf dünne Mütze oder Sturmhaube darunter
- Leuchtstreifen an Schulranzen, Schuhen oder Jackenärmeln
- Licht und Reflektoren am Rad vor jeder Fahrt prüfen